Quelle: Märkische Allgemeine, von Thorsten Keller. Acht Jahre lang wohnt Gunter Reinhold zu DDR-Zeiten mit Familie in der Villa Schöningen. Sie liegt im streng bewachten Sperrgebiet an der Glienicker Brücke. Zur Eröffnung der Ausstellung „Achtung Grenze“ kehrt der Zeitzeuge zurück. Auf den ersten Blick ist es ein idyllisches Familienfoto, aufgenommen im Jahr 1982: Stolz hält Gunter Reinold seine kleine Tochter Franziska auf dem Arm, im Hintergrund leuchtet die sommerliche Havel. Erst bei genauerem Hinsehen ist am unteren Bildrand der Grenzzaun am Wasser zu erkennen, der Potsdam von West-Berlin trennt.

Die Aufnahme entstand auf der Terrasse der Villa Schöningen. Zu Zeiten der deutschen Teilung war dort ein Kinderwochenheim untergebracht. Gunter Reinold hat „eingeheiratet“ in das geschichtsträchtige Haus an der Grenze, erzählt er. Die Mutter seiner Freundin und späteren Frau Sigrid Sabine war die Heimleiterin, sie hatte eine Dienstwohnung im Dachgeschoss der Villa. Als das Paar sich 1973 kennen lernte, diente Reinold bei der Nationalen Volksarmee – als Soldat war es für ihn kein Problem, einen Passierschein zu bekommen. Ohne einen solchen Schein durfte niemand das Sperrgebiet an der Schwanenallee betreten, auch enge Verwandte mussten sich vorab eine Erlaubnis bei der Volkspolizei besorgen.

Nach der Hochzeit 1977 bezog das junge Paar zwei Zimmer in der Dienstwohnung der Schwiegermutter, und lebte dort fortan mit bestem Blick auf die Glienicker Brücke und die multiplen Maßnahmen zur Freiheitsberaubung von Staats wegen. Gunter Reinold zählt auf: Erster Zaun, Stolperdraht, „Stalinmatten“ (im Boden verankerte Stahlspitzen, dann ein zweiter Zaun unmittelbar am Ufer. 1985 zogen die Reinolds innerhalb von Potsdam um, im Sommer 1989 verließen sie die DDR, der Ausreise vorangegangen war eine „schlimme Zeit“ mit Berufsverbot und anderen Schikanen. Vor einigen Jahren kehrten sie aus dem selbst gewählten Exil in Schleswig-Holstein zurück und leben inzwischen wieder in Babelsberg.
Spaziergang dauert eine Stunde

Auch Ulrike Gutheil, Brandenburgs Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, betonte bei der Eröffnung den eigentümlichen Kontrast zwischen der idyllischen Seenlandschaft und den monströsen Sperranlagen. Es sei wichtig, „die Geschichte der deutschen Teilung nicht zu vergessen“.

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