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Die Flucht
von Hubert Hohlbein

Zusammen mit einem Freund trainiert Hubert Hohlbein für die bevorstehende Flucht (Winter 1962/63)Zusammen mit einem Freund trainiert Hubert Hohlbein für die bevorstehende Flucht (Winter 1962/63) - Foto: Privatbesitz, Jürgen Fuß

In der Nacht zum 21. November 1963 gleitet Hubert Hohlbein in Potsdam lautlos in den Jungfernsee in der Nähe des damals stillgelegten Ausflugslokals Meierei, unweit des Schlosses Cecilienhof. Mit einem Taucheranzug bekleidet schwimmt der 21-Jährige möglichst geräuscharm durch das kalte Grenzgewässer. Ein Bleigürtel ermöglicht ihm, sich tiefliegend im Wasser fortzubewegen. Nichts soll auf ihn aufmerksam machen, denn die Gefahr ist groß, dass die DDR-Grenzposten ihn entdecken und das Feuer eröffnen. Nach eineinhalb Stunden erreicht Hubert Hohlbein erschöpft das Ufer unweit der Glienicker Brücke in Berlin-Wannsee. Die Flucht nach West-Berlin ist geglückt.

Hubert Hohlbein trainierte für seine Flucht bei der er mit Taucheranzug und Bleigürtel ausgerüstet den Jungfernsee durchschwamm Hubert Hohlbein trainierte für seine Flucht bei der er mit Taucheranzug und Bleigürtel ausgerüstet den Jungfernsee durchschwamm - Foto: Privatbesitz, Jürgen Fuß

Hubert Hohlbein wächst im Ost-Berliner Stadtteil Adlershof in einem katholisch geprägten Elternhaus auf. Während sich viele seiner Mitschüler in den Jugendorganisationen der DDR engagieren, geht der junge Hubert Hohlbein zum Religionsunterricht. Als Kind sogenannter »Kapitalisten« – sein Vater ist Privatunternehmer – wird er nicht zum Studium zugelassen. Stattdessen absolviert Hubert Hohlbein eine Lehre als Elektrotechniker. Seine Freizeit verbringt er oft in West-Berlin. Hier trifft er sich mit Freunden, geht tanzen oder ins Kino.

Fassungslos erlebt Hubert Hohlbein die Grenzschließung in Berlin. Das letzte Schlupfloch in die Freiheit ist nun auch für ihn geschlossen. Um der staatlichen Bevormundung durch das SED-Regime zu entkommen, plant er zusammen mit Freunden die Flucht nach West-Berlin. Diese soll durch das Grenzgewässer führen, an einer Stelle, die durch die DDR-Grenzsoldaten schlecht zu überblicken und zu kontrollieren ist. Die jungen Männer besorgen sich Tauchanzüge und trainieren heimlich in den Gewässern in und um Berlin zu schwimmen und unter Eis zu tauchen. Zweien seiner Freunde gelingt die Flucht durch den Jungfernsee. Hubert Hohlbein ist der dritte im Bunde, der auf diesem Weg in den Westteil der geteilten Stadt gelangt.

Hubert Hohlbein beim Gespräch im Zeitzeugencafé der Gedenkstätte Berliner Mauer am 11.11.2012 Hubert Hohlbein beim Gespräch im Zeitzeugencafé der Gedenkstätte Berliner Mauer am 11.11.2012 - Foto: Stiftung Berliner Mauer, Martin Frommann

In West-Berlin nimmt Hubert Hohlbein ein Studium der Elektrotechnik auf. Zuvor sucht er jedoch nach einer Möglichkeit, seine in Ost-Berlin verbliebene Familie nachzuholen. Er schließt sich einer Fluchthilfegruppe an, der es im Oktober 1964 gelingt, 57 DDR-Bürgern durch einen Tunnel zur Flucht zu verhelfen. Unter den Flüchtlingen ist Hubert Hohlbeins Mutter. Auch in der folgenden Zeit ist Hubert Hohlbein immer wieder an Fluchthilfeaktionen beteiligt.

Text: Lydia Dollmann / Chronik der Mauer

Hinweis:
 Nooke, Maria: Mauergeschichten von Flucht und Fluchthilfe. Begegnung mit Zeitzeugen, Berlin 2017.
Strehlow, Hannelore: Der gefährliche Weg in die Freiheit. Fluchtversuche aus dem ehemaligen Bezirk Potsdam, Potsdam 2004.

Audio: Hubert Hohlbein berichtet über seine Flucht

Quelle: Auszug aus dem Zeitzeugencafé der Gedenkstätte Berliner Mauer zum Thema »Fluchthelfer mit unterschiedlichen Erfahrungen«, Gäste: Hubert Hohlbein und Ralph Kabisch, Moderation: Dr. Maria Nooke, 11.11.2012

 

 

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